2018 - Waldshut-Helitransfer2018 - Waldshut-Helitransfer

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RTH-Transfer während der Ertüchtigung vom Landeplatz am Spital Waldshut (Juni bis August 2018)

Ansprechpartner

Herr
Hans-Werner Schlett


Tel.: 07751 - 8735-0

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1. LAGE
Am Spital Waldshut ist ein RTH Landeplatz. Dieser Landeplatz entspricht nicht mehr den aktuellen Vorschriften. Für einen weiteren Flugbetrieb ist eine Vergrößerung der Landefläche und eine technische Ertüchtigung zwingend und unverzüglich erforderlich. Bevor im Spital Waldshut mit den Bauarbeiten für den neuen RTH-Landeplatz begonnen wurde musste ein den Vorschriften entsprechender und zugelassener RTHLandeplatz eingerichtet werden. Dieser RTH-Landeplatz wurde bei der Feuerwehr der Stadt Waldshut-Tiengen im Kaitle eingerichtet. Während der Bauzeit für den RTH-Landeplatz am Spital in Waldshut waren dort HeliLandungen nicht möglich. Ein Rettungswagen-Transfer für RTH-Besatzungen inkl. -Ausrüstung und Patienten musste organisiert und realisiert werden.
Die DRK Rettungswache in Waldshut ist in der Fuller Straße und liegt in der Mitte zwischen Spital Waldshut und dem RTH-Landeplatz. Damit die Hilfsfristen im Rettungsdienstbereich Waldshut durch den Heli-Transfer nicht schlechter werden musste der RTW zusätzlich vorgehalten werden. Der zusätzliche Helitransfer war rund um die Uhr vom 7. Juni bis 31 August 2018 verfügbar.
Die Fahrstrecke vom Landplatz Kaitle zum Spital Waldshut und zurück beträgt 14 km.
 

2. KONZEPT
Der Rettungsdienst vom DRK KV Waldshut e.V. hat zwei Reserve RTW. Diese müssen kurzfristig für Instandhaltung und bei unerwarteten Ausfällen für die in der Rettungsdienstvorhaltung eingesetzten Krankenkraftwagen zur Verfügung stehen. Wegen der hohen Kosten für einen Leih-RTW inkl. der erforderlichen medizinischen Ausrüstung kam das Anmieten von einem RTW nicht in Frage. Außerdem war bei einem Leih-RTW mit erheblichen Aufwänden, für die Einweisungen an unbekannten medizinischen Geräten, zu rechnen.
Somit musste ein organisationseigener eigener RTW gefunden und eingesetzt werden. Diesen RTW konnte der DRK Ortsverein Waldshut bereitstellen. Einer der beiden RTWs vom DRK Ortsverein Waldshut war immer für den RTH-Transferdienst reserviert. Diese Reservierung durfte nur für die Alarmierung zu einem Hintergrund RTW Einsatz aufgehoben werden.
Die Strecke vom RTH Landplatz Kaitle zum Spital Waldshut ist durch tägliche Verkehrsstaus gekennzeichnet. Die Verkehrsstaus werden durch den internationalen Grenzverkehr, den man der lokalen Bevölkerung zumutet, mit der Schweiz verursacht. Diese ständigen Verkehrsstaus verhindern auch das schnelle Anfahren von zusätzlichen Einsatzkräften an die DRK Rettungswache Waldshut. Deshalb haben wir abgemacht, dass an Arbeitstagen von Montag bis Freitag in der Zeit von 7:00 Uhr bis 16:30 Uhr der Transfer-RTW von Funktionsträgern aus dem Rettungsdienst, die Bürotätigkeiten verrichteten, besetzt wird. Zu allen anderen
Zeiten hat die DRK Bereitschaft Waldshut und die ehrenamtliche Fachgruppe Rettungsdienst die Einsatzkräfte für den RTH-Transfer gestellt. Einer der beiden RTWs vom DRK OV Waldshut war immer für den Heli-Transfer freigestellt. Tagsüber musste er immer an der Rettungswache in Waldshut sein. Zu den restlichen Zeiten hat es verschiedene Strategien für den Standort vom RTW gegeben. Der Zutritt zum Gelände der Feuerwehr ist nur mit Karte möglich. Deshalb hat jeder der beiden RTWs der DRK Bereitschaft Waldshut eine Karte für den Zutritt erhalten. Ebenfalls haben alle RTWs vom Rettungsdienst im Umfeld vom RTH Landeplatz
Kaitle eine Karte für den Zutritt zum Feuerwehrgelände erhalten. Diese RTWs haben den Zutritt mehrmals für Patientenübergaben an einen RTH im Rahmen von nahegelegenen Primäreinsätzen benötigt.
Für die Alarmierung haben die Funktionsträger ein zusätzliches RIC auf ihrem Funkmelder erhalten. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte wurden über das RIC für den
Hintergrunddienst von der ILS Waldshut alarmiert. Für den Alarm zu einem Heli Transfer wurde ein vordefinierter Text eingesetzt.
Mit jedem Alarm Helitransfer wurde das Kommando der Feuerwehr WaldshutTiengen und ein LF nach Dienstplan mit alarmiert.
Für Nacheinsätze konnten sowohl die Einsatzkräfte der Feuerwehr und die Einsatzkräfte vom RTH-Transferdienst die notwendige Landplatzbeleuchtung bedienen.
 

3. UMSETZUNG

3.1 DIENSTPLAN
Es mussten wöchentliche Dienstpläne erstellt werden.
Die Dienstpläne hatten folgende Gliederungen:

Hauptamtliche Funktionsträger
• Arbeitstage Mo bis Fr 07:00 bis 16:30 Uhr

Ehrenamtliche
• Arbeitstage Mo bis Fr 16:30 bis 19:00 Uhr
• Arbeitstage Mo bis Fr 19:00 bis 07:00 Uhr
• Samstage, Sonntage Feiertage 07:00 bis19:00 Uhr
• Samstage, Sonntage Feiertage 19:00 bis 07:00 Uhr

Kurzfristige Änderungen waren nach Absprache mit den beiden Zuständigen möglich. Die Dienstpläne für die Ehrenamtlichen wurden in eine eigens für den RTH-Transfer geründet WhatsApp-Gruppe eingestellt.

3.2 FAHRZEUGE
Der DRK Ortsverein Waldshut unterhält für seine verschiedensten Aufgaben zwei organisationseigene RTWs. Die beiden RTWs erfüllen die DIN EN 1789 Typ C (Mobile Intensive Care Unit) und haben die Ausstattung der Rettungsdienst RTWs vom DRK Kreisverband Waldshut. Beschreibungen sind auf der Homepage vom DRK Ortsverein Waldshut zu finden (http://www.drk-ov-waldshut.de). Da für die meisten Einsätze der DRK Bereitschaft Waldshut die Qualifikation eines Rettungssanitäters ausreichend ist haben die beiden RTWs im Funkrufnamen die taktische Kennziffer 85 (KTW) und nicht 83 (RTW). Beide RTWs sind mit dem Rescue Track System ausgerüstet. Sie sind an der Rettungswache in der Fuller Straße 2 stationiert.

3.3 STRATEGIE
Für die Funktionsträger verblieb in der Regel der RK WT 13/85-2 an der Wache in der Fuller Straße 2. Meisten hat zu den Zeiten mit einer ehrenamtlichen Besatzung der RTW RK WT 13/85-1 am RTH Landplatz im Kaitle gestanden. An zwei Wochenenden hatte die DRK Bereitschaft Waldshut so viele Einsätze zu bewältigen, dass ein RTW von einer Tageswache, die von Montag bis Freitag besetzt ist, über das Wochenende am RTH Landeplatz stationiert wurde. Die ehrenamtlichen Besatzungen sind je nach Wohnort mit Privatfahrzeugen oder KatS-Einsatzfahrzeugen zum RTW Standort gefahren. Der Aufwand für das stationieren der RTWs im Zusammenhang mit der Abwicklung der Einsätze der DRK Bereitschaft Waldshut war erheblich und erforderte eine hohe Flexibilität der Einsatzkräfte. Für eine schnelle und einfache Kommunikation war die
App Heli-Transfer sehr nützlich. Alle RTHs waren mit einem 4m Band BOS Funk ausgerüstet. Dadurch konnten unsere Einsatzfahrzeuge (RTWs, KatS) jederzeit mit ILS und RTH kommunizieren.
Wir waren immer über den Zeitpunkt der RTH Landung informiert. Deshalb konnten wir abschätzen ob wir den Landeplatz vor dem RTH erreichen werden. Wenn wir sicher waren den Landeplatz vor dem RTH zu erreichen, dann haben wir auf der Anfahrt keine Sonder- und Wegerechte benutzt. Bei den Patiententransporten hat der Notarzt vom RTH festgelegt ob Sonder- und Wegerecht zu benutzen sind.
 

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4.1 RTHS MIT TRANFERS

Die folgende RTHs haben wir im Heli-Transferdienst bedient:
• Christoph 11 Villingen
• Christoph 43 Karlsruhe
• Christoph 53 Mannheim
• Christoph 54 Freiburg
• Lions 1 Birrfeld
• Rega 1 Zürich
• Rega 2 Basel

4.2 ZAHLEN
Zu Beginn der Aktion Heli-Transfer haben wir mit ca. 80 Transfers gerechnet. Bis zum 31.8.2018 wurden tatsächlich 64 Heli-Transfers durchgeführt. Wir sind der Meinung, dass während der Bauzeit von Landeplatz im Zweifels Fall ein primärer RTH Einsatz häufiger als sonst üblich einem RTW Transport ins Spital Waldshut vorgezogen wurde.

4.3 ERFAHRUNGEN
Die Kommunikation mit allen RTHs, der ILS Waldshut und dem Transfer-RTW hat im 4m Band BOS Funk gut funktioniert.

Der mit Abstand am schnellsten eintreffende RTH am Landeplatz Kaitle ist und war der Lions 1 von der AAA. Dies basiert auf der kürzesten Flugzeit und einer schnellen Ausrückzeit der Besatzung. Der RTH hat seine neu gebaute Basis auf dem Flugplatz in Birrfeld (Aargau).

Die von uns im Heli-Transfer bedienten RTHs haben unterschiedliche Krankentragen. Es gibt sogar RTHs die Fahrtragen verwenden. Die Tragen der RTHs werden oft auf die Krankentragen vom RTW gelegt. Die RTH Trage wird dann inkl. Patient mit den Patientengurten von der RTW Krankentrage fixiert. RTH Fahrtragen sind nicht auf die Tragetische der RTWs abgestimmt. Oft musste der Tragetisch leicht in Kopftieflage gebracht werden, damit die RTH Fahrtrage auf den Tisch vom RTW passte.

Bei der Vielzahl von Gerätetypen für EKG und Beatmung ist davon auszugehen, dass die Geräte vom RTH im RTW nicht entsprechend den Anforderungen aus der DIN EN 1789 für Halterungen, die für Beschleunigungen ≥ 10 g gebaut sind, befestigt werden können. Dies war tatsächlich so.

In der Zusammenarbeit von RTHs mit RTWs  gibt grundsätzliche Probleme bei der Befestigung von Krankentragen und medizinischen Geräten. Mit dem zunehmenden Einsatz von elektrohydraulische Krankentragen wird das Thema Befestigung vom RTH Material im RTW nach komplexer. Erforderlich ist eine Standardisierung die mit einer Norm hinterlegt ist. Da ging wohl mit der Einführung der Fahrtragen etwas verloren. Bei den elektro-hydraulischen Krankentragen erscheint es mir sinnvoll zu sein die Krankentrage abnehmbar zu konstruieren. Idealerweise werden die Krankentragen entsprechend der DIN befestigt und die RTHs müssten dann Tragen einsetzen welche die Befestigungen nach DIN haben.

Die Entwicklung für die medizinischen Geräte ist dynamisch und nicht absehbar. Deshalb sehe ich nur die Möglichkeiten Halterungssystem zu entwickeln welche die Anforderungen aus der DIN EN 1789 erfüllen und die im RTH, an der Fahrtrage und im RTW benutzt werden können. Dies könnte eine Weiterentwicklung der DIN-Schiene und der zugehörigen Halterungen sein.

Außer der AAA gab es immer wieder Forderungen von RTH-Besatzungen den Patienten mit dem NA vom regulären Rettungsdienst zum Landeplatz zu bringen. Dies entspricht nicht dem im Bereichsausschuss Waldshut vereinbarten Konzept für die RTH-Transfers während der Bauzeit vom RTH Landeplatz im Spital Waldshut. Deshalb wurde diesen Forderungen nicht nachgekommen. In diesem mit dem Bereichsausschuss festgelegten Konzept gab es folgende Prioritäten:
• Einen RTW für den Transfer, unabhängig von der Auslastung im Rettungsdienst, vor dem RTH am Landeplatz zu haben
• Keine Verschlechterung der Hilfsfristen für NA und RTW durch den RTHTransfer
• Keine Qualitäts- und Informationsverluste bei der Übergabe von Spital an NA vom RTH

Während der Transferzeit hat man den Eindruck erhalten, dass weniger Patienten den Umweg über das Spital Waldshut zu einem RTH Transport genommen haben (mehr primär und weniger sekundär Einsätze). Die Notärzte haben anscheinend die Indikation für primär Einsätze von RTHs reduziert. Auch wurde der RTH-Landeplatz im Kaitle von RTWs bei primär Einsätzen genutzt. Diese Einsätze sind im vorliegenden Bericht nicht erfasst.

Während der geplanten Bauzeit vom neuen Landeplatz am Spital in Waldshut haben wir mit ca. 80 RTH Transfers (7 Transfers/ Woche, 11 Wochen) gerechnet. Mit insgesamt 64 Transfer liegen wir im Bereich der Planungsgröße.
 

5. ANMERKUNGEN
Nur wenige Patienten die mit dem RTH transportiert wurden sind kurze Zeit danach in der Klinik der maximal Versorgung verstorben. Viele Patienten die mit dem RTH transportiert wurden machten einen stabilen Eindruck. Dieser durchaus subjektive Eindruck lässt sich durch die Dokumentationen von den RTH Notärzten überprüfen. Diese subjektiven Eindrücke sollten eine Studie auf Landesebene anstoßen. Die
Studie soll klären wann sind RTH-Sekundärtransporte medizinisch, bei der im Rettungsdienstgesetz geforderten Wirtschaftlichkeit, erforderlich. Die Studie sollte auch Vorgaben für eine praktikable Umsetzung der festgestellten Erkenntnisse machen.
 

6. ZUSAMMENFASSUNG
Der RTW zum Transfer war immer vor der Landung des RTHs am Landeplatz im Kaitle. Das Konzept mit nach Dienstplan alarmierbaren Einsatzkräften hat funktioniert

Der Dienst für den RTH Transfer konnte immer besetzt werden. Es musste als Rückfallebene kein einziges Mal ein RTW aus der Vorhaltung einspringen.

Es gilt allen beteiligten hauptamtlichen Funktionsträger und den Ehrenamtlichen aus der Bereitschaft Waldshut und der Fachgruppe Rettungsdienst rechtherzlichen Dank zu sagen.

Auch ist dem DRK Ortsverein für die uneingeschränkte Bereitstellung seiner beiden organisationseigenen RTWs sehr zu danken. Selbstverständlich sind in den Dank alle Mitglieder und Personen eingeschlossen die mit Ihren Beiträgen die Anschaffung und den Unterhalt der beiden Fahrzeuge finanziell unterstützen.

Ein dickes Dankeschön geht auch an die Feuerwehr Waldshut-Tiengen für das entgegengebrachte Vertrauen und die tolle und effiziente Zusammenarbeit

Die Aktion Helitransfer hat auch gezeigt welches Potential wir im DRK haben, wenn wir Einsatzmittel und Einsatzkräfte vom Rettungsdienst und Katastrophenschutz bündeln.

Durch die zu geringen Erstattungen für die Heli-Transfers konnten die Kosten für diese Aktion nicht vollständig gedeckt werden. Für die Fehlbeträge wurden Beiträge unserer DRK Mitglieder eingesetzt. Alle am Heli-Transfer Beteiligen fanden es erforderlich und angemessen, dass der DRK Kreisverband e.V. mit seinen Einsatzkräften diese Aktion Heli-Transfer zum Wohle der betroffenen Menschen durchgeführt hat.

Mit dem neuen RTH Landeplatz am Spital und dem Landeplatz bei der Feuerwehr im Kaitle haben wir dann zwei auch nachtflugtaugliche Landeplätze in der Stadt Waldshut-Tiengen. Beide Landeplätze haben je einen kontrollierten und nicht öffentlichen Zugang.
 

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